Yachthäfen und Wasserwege im Revier

Die Emscher

Von der Kloake zum Vorzeigefluss

Um es vorweg deutlich zu sagen: Die Emscher hat für uns als Wassersportler keine Bedeutung als Wasserweg und sie wird auch nie ein Wassersportrevier werden, 1774 wurde letztmalig ein Antrag auf Schiffbarmachung gestellt - und von keinem geringerem als Friedrich II alias Friedrich der Große alias der Alte Fritz abgelehnt! Dennoch ist die Emscher für uns wichtig, sie hat die Region geprägt, ihren schnellen Aufstieg ermöglicht und sorgt nun, mit fortschreitender Renaturierung, an vielen Stellen für reizvolle Landschaften. Ihr Tal dient dem Rhein-Herne-Kanal und in Teilen auch dem Dortmund-Ems-Kanal als Verlauf, daher ist sie oft in der Nähe unserer Fahrstrecken und das Beispiel Emscherinsel zeigt, dass der Fluss vor einem Start in eine neue Karriere steht.


Emscher Höhe Oberhausen mit Emscherinsel am RHK

Die 84 Kilometer kurze Emscher war früher ein stark mäandrierender Fluß in einem durch die letzte Eiszeit ausgewaschenen Flusstal und durchfloss das heutige Ruhrgebiet von Osten nach Westen. Auf den alten topographischen Karten (z.B. Dortmund, Urkataster von 1820) ist der gewundenen Flusslauf noch sehr gut zu erkennen. Doch schon auf den Karten von 1912 sieht sie völlig anders aus: Zwar folgt die Emscher immer noch dem alten Flußlauf, doch viele der Flussschleifen sind verschwunden, die Emscherregulierung hat den früher oftmals wilden Fluss gezähmt und ihn zu einem Vorfluter gemacht. Bereits 1875 musste die Emscher die Abwässer von allein 60.000 Dortmundern in den Rhein transportieren, dazu die Abwässer von Handwerk und Industrie. Wie in vielen anderen europäischen Städten setzte man hier nach langer Diskussion auf die Schwemmkanalisation, Abfallstoffe und Fäkalien wurden in einem System zusammen mit dem Regen- und Oberflächenwasser abtransportiert - das Aus für die Emscher als natürlichem Fluss. Sie wurde fortan zur stinkenden offenen Kloake


Idyllische Emscherquelle in Holzwicke nahe bei Dortmund Foto: Jens Seiler, Wikipedia

Dazu kam zunehmend das Grubenwasser - je tiefer die Kumpel in den Berg, also in die Erde vordrangen, desto mehr Wasser musste abgepumt werden. Von 1870 bis 1960 stieg so die Wassermenge auf das Achtfache (gemessen bei Niedrigwasser). Aber der Bergbau griff noch in einem anderen Punkt in die Emscher ein: Der umfangreiche Kohlenabbau führte zu starken Veränderungen der Landschaft mit vertikalen und horizontalen Verschiebungen, bis zu 20 Metern etwa sackte die Oberfläche weg, die natürliche Vorflut wurde empfindlich gestört. Erste Pumpwerke wurden notwendig, denn das Wasser staute sich, ganze Stadtteile wurden bei Hochwasser unter Wasser - unter Abwasser - gesetzt, die hygienischen Zustände waren im wahrsten Wortsinn atemraubend, die Sterberate stieg. Völlig klar angesichts dieser enormen Geländeverschiebungen: Mit unterirdischen Abwasserkanälen war dem Problem nicht beizukommen, nur ein offener Vorfluter konnte die Wasserflut beherrschbar ableiten!


Emscherdüker am RHK bei Castrop-Rauxel, Foto: Arnold Paul, Wikipedia

Gleichzeitig führte der Bergbau zu einer drastischen Änderung der Grundwassersituation - die einzelnen "Grundwasserstockwerke" wurden durch die Grabungen verbunden, oberflächennahe Vorkommen entleerten sich, Quellen versiegten, alles musste letztlich abgepumpt und direkt über die Emscher abtransportiert werden. Dazu wurde die Emscher ausbetonniert und zum Vorfluter für das gesamte Revier. Schon bei geringer Wasserführung wurden diese Rinnen lebensgefährlich, rutschig und ohne Möglichkeit des Festhaltens waren Mensch und Tier in diesem System verloren - viele Menschen bezahlten ihre Neugier mit dem Leben. Der Gewässerlauf wurde großräumig abgezäunt, Warnschilder, regelmäßige Informationen an die Adresse vor allem der Schulkinder sollten Unfälle verhindern. Unten die Situation am Emscherdüker vom Rhein-Herne-Kanal aus.

Sogar der Flußlauf selbst musste geändert werden. Die natürliche Mündung der Emscher, die Alte Emscher, wurde von Duisburg nach Walsum verlegt, die Kleine Emscher. Doch auch die Walsumer Mündung ließ sich durch die ständigen Bergsenkungen bald nicht mehr halten, Seit 1949 mündet die Neue Emscher bei Dinslaken in den Rhein.


Hier mündete frühere die Kleine Emscher in den Rhein - Hochwasser Frühjahr 2006

Durch die Renaturierung der Emscher entsteht ein völlig neuer Planungsraum, das Emschertal. Kernstück ist die künstliche Insel zwischen Rhein-Herne-Kanal und Emscher. Die 34km lange Insel, so groß wie Juist, ist an ihrer schmalsten Stelle nur 30m breit. Immerhin gibt es auf dem Eiland ein ausgewachsenens Stadion für mehr als 21.000 Besucher, das Niederrhein-Stadion, Heimat der Kleeblätter von Rot-Weiß Oberhausen und mit dem Yachthafen des AMC auch die Heimat des größten Motorbootclub in NRW. Der Club hat sich im Emshafen, dem früheren Hafen des einstigen Monopol-Schleppbetrietes des Bundes am Rhein-Herne-Kanal niedergelassen.
Infos AMC


Yachthafen des AMC in Pöppinghause (Castrop-Rauxel)

6.000 Insulaner wohnen hier im, Stadtteil Ebel und der Siedlung Dannekamp! Die Bundesgartenschau und eine Landesgartenschau haben hier schon stattgefunden. Es gibt ein Freibad und jede Menge "wilde" Badestrände (am Kanal). Für die gute Erreichbarkeit sorgen die vielen Brücken, etwa alle 400 Meter findet man eine Querungsmöglichkeit. Interessant sind die Halde Hoppenbruch in der Haldenlandschaft Hoheward - der Obelisk für eine riesige Sonnenuhr auf dem Hochplateau ist schon installiert. Und natürlich der Nordsternpark, Ort der Bundesgartenschau 1997 auf der Fläche der ehemaligen Schachtanlage Nordstern - nur leider kann man dort noch nicht anlegen, doch das wird sich demnächst ändern
Info Marina Essen


Emschermündung bei Dinslaken

Voraussetzung für diese gewaltige Generationenaufgabe war die Nordwanderung des Bergbaus. Mittlerweile ist die Erde hier zur Ruhe gekommen und man kann es wagen, auf unterirdische Abwassersysteme anstelle der Emscher zu setzen. Der 51km lange Emscherkanal ist ein parallel zur Emscher laufender, unterirdischer Abwasserkanal in bis zu 35 Metern Tiefe. Er soll die gesamte Abwasserfracht aufnehmen, die Emscher und ihre zahlreichen Nebenflüsse transportieren zu ihrem eigenen Quellwaser nur noch das Niederschlagswasser. 2014 soll der Kanal fertig sein. Für uns als Skipper entstehen dann neue attraktive Ziele, zum Beispiel die oben zitierte Emscherinsel.


Blick vom Gasometer auf die Emscherinsel in Richtung Niederrhein-Stadion

Mit der Marina Oberhausen gibt es an der schmalsten Stelle der Emscherinsel bereits heute einen hervorragender Anleger - direkt am Gasometer gelegen mit vielen interessanten Angeboten im Umfeld, hier kann man allein mehr als eine Woche mit Landausflügen gestalten - selbst wenn man nur in der näheren Umgebung bleibt. Das tolle in der Emscherzone des Ruhrgebietes: Alle Städte sind durch die hervorragende Nahverkehrsanbindung in etwa 30 bis maximal 45 Minuten zu erreichen, damit steht der Crew das gigantische Freizeitangebot des gesamten Ballungsraumes zur Verfügung.
Info Marina Oberhausen

Abschließend noch ein Blick auf den Nordsternpark mit seiner charakteristischen Brücke über den Rhein-Herne-Kanal - hier bei der Investoren-Bootsfahrt auf der Heisingen im Mai 2006 - das Bild zeigt auch ein wenig die Zukunft des maritimen Reviers in der Emscherzone: Zunehmend soll versucht werden, die überall operierenden Flusskreuzfahrer auch ins Revier zu locken. Vielleicht gibt es so etwas dann künftig öfter: Den Sundowner auf dem Rhein-Herne-Kanal, dort wo der Mond von Wanne-Eickel scheint....
Info Investoren-Bootsfahrt auf der Heisingen

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