Ostern geht es rund...

Etappe 6: Ems und DEK - Krimi in Herbrum und Baustellen in Münster und anderswo

Die Sonne geht wunderschön unter - und mir geht auf, dass das Wasser immer weiter abläuft und die Fenzl´sche Aussage jeglicher Grundlage entbehrt. Um 22.30 Uhr sind es nur noch 90 Zentimeter unter dem Kiel, und es wird noch fast vier Stunden weiter ablaufen!!! Gegen Mitternacht stehe ich auf, schöner Sternenhimmel, aber der kann mich gar nicht anmachen, denn das Echolot zeigt mal gerade noch 0,4 Meter an. Wer mich kennt weiß, dass ich nun natürlich nicht so richtig gut schlafen kann. Außerdem muss ich "mal eben schnell" die Gasflasche wechseln - wie immer mitten in der Nacht und immer dann, wenn man so blöd an einem so ungeeigneten Steg liegt, dass die Ersatzflasche aus dem Kasten auf der Badeplattform nur unter erschwerten Bedingungen ins Boot zu bekommen ist. Um eins gehe ich noch mal schauen (20cm) und um zwei Uhr bin ich auch wieder auf, da signalisiert mir das Echo mit drei waagerechten Strichen, dass da nix mehr ist an Entfernung was gemessen werden könnte. Aber das Boot schaukelt noch. Ich warte, auf die Flut. 2.10 nix. 2.15 nix - aber dann: Pünktlich wie die Maurer wird plötzlich der Segler, bei mir längsseits gegangen, weggedrückt, ein kräftiger Windstoß, auch die Tremonia bekommt unerwartet einen kräftigen Schub vom Steg weg und das Echolot zeigt plötzlich statt der drei Striche eine 0,5 - von einer auf die andere Minute einen halben Meter Wasser mehr unter dem Kiel. Es gluckert und plätschert überall, beruhigt sich aber nach der ersten Welle dann ganz plötzlich und das Wasser ist da. Hurra! Ich genehmige mir einen Grappa di Amarone della Valpolicella mit 40 Umdrehungen (hatte am Abend eine DVD über die Prohibition gesehen - The Untouchables mit DeNiro, Kostner, Garcia - mäßig) aber danach schmeckt so ein Erzeugnis italienischer Destillationskunst besonders gut - und erst Recht nach dem überstandenen Niedrigwasser-Krimi ohne Grundberührung. Danach habe ich richtig gut geschlafen!

Was ich erst im Nachhinein recherchiere: Das mit der Welle war keine Einbildung (ich wollte es erst gar nicht schreiben, kam mir komisch vor). Auf der Ems gibt es eine richtige Gezeitenwelle! Schuld ist die trichterförmige Mündung der Ems, die diese Welle erzeugt. Aufregend! An manchen Stellen sind diese Wellen richtig gefährlich, aber so schlimm war es hier ja nicht. Diese Trichter-Mündungen nennen sich (jetzt wird es wissenschaftlich) Ästuar. Solche Ästuarien bilden sich an Flachküsten mit großem Tidenhub - es lebe Wikipedia!

The Day after - am nächsten Morgen liegt um sieben die Liburna aus Moerdijk vor der Schleuse, ein Tanker. Das Schiff hat einen Kegel gesetzt. Ich frage an, ob wir mitschleusen können - wir können, aber es soll sofort losgehen.

Kein Problem für mich, ich habe schon gut gefrühstückt, meinen Haushalt auf Vordermann gebracht - aber die beiden Kollegen vom Segler kommen erst gerade in die Vertikale. Doch sie sind sofort an Deck und es geht gleich los. Schnellstarter eben.

weiterlesen

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |

Zurück zur Auswahlseite

Der Reisebericht ist Teil der Domain www.czierpka.de. Das Copyright liegt bei Karl-Heinz Czierpka, es gelten die im Impressum und in der Erklärung zum Datenschutz aufgeführten Grundsätze. Wir sind unterwegs mit dem Motorkreuzer Tremonia.