Rettet den Kanal in Elisabethfehn!


Von einem der auszog einen Kanal zu retten...

Bericht von Karl-Heinz Czierpka

Dieser Reisebericht beschreibt die Fahrt von Henrichenburg an den Elisabethfehnkanal, das dortige Protestwochenende gegen die drohende Schließung und die anschließende Weiterfahrt nach Papenburg und Leer sowie - sehr gerafft - die Rückfahrt.

Prolog und Auswahl

Ich weiß nicht was euch bei diesem Bild so durch den Kopf geht: Ein verträumter Kanal im morgendlichen Dunst, es ist kühl, fast kalt. Der dampfende Pott Kaffee wärmt die Hand, fast verbrennt sich die Zunge am heißen Gebräu. Es nieselt - zu wenig um es "regnen" zu nennen, zu viel um es völlig zu ignorieren. Also Kapuze!

Die Schleuse kommt in Sicht, man sieht schemenhaft die Umrisse des Brückenwärters bei der Arbeit. Auf dem Wasser das Spiegelbild der Bäume und Sträucher, leise Kräuselwellen. Die Tore öffnen sich, das Boot gleitet in die Kammer, langsam, fast unmerklich mit leise brummelndem Diesel, aufstoppen, der Motor dreht hoch, die Schraube geht zurück. Leine über den Poller werfen, an Deck belegen, Motor aus. Stille! Ein kurzes "Moin Moin", knappe Erwiderung, dann Griff zur Schubstange. Gemeinsam die schweren Tore schließen, sie quietschen in den Angeln, endlich vereinigen sie sich mit einem satten Geräusch zu einer dichten Barriere. Dazu muss man nicht viel reden, das geht so.

Der Schleusenwärter kommt ´rüber, bietet mir eine Zigarette an (eine der wenigen Situationen wo ich bedauere nicht zu rauchen), zwei drei Worte übers Wetter "Schiet" und "wird besser" - mehr braucht es nicht. Das Schleusen kann beginnen. Es gluckert, Wasser rauscht, erst leise, dann laut und vernehmlich. Das Boot sinkt langsam nach unten.


Diese schönen Fotos hat Olaf Claaßen gemacht - es werden noch einige von ihm folgen...

Ich mag solche Augenblicke und solche Menschen, ich mag solche Schleusen und ich mag solche Wasserstraßen. Als ich von den Problemen der Schleuse Osterhausen, von den bitteren Konsequenzen für den Elisbathfehnkanal höre gibt es mir einen Stich. Schon wieder will man sich eines solchen Wasserweges entledigen. Kostet doch nur, fahren doch bloß noch Sportboote. Die Sperrung wäre der erste Schritt der Zerstörung. Defekte Brücken könnte man dann gleich durch preiswerte Dämme ersetzen, Entwässerung geht auch anders, geht auch weniger kostenintensiv. An vielen Stellen hat man sie später zugeschüttet, diese unnötigen Kanäle, hat Platz gewonnen für andere lebenswerte Dinge wie Straßen und Parkplätze, konnte die Flächen oft sogar zu Gunsten der Gemeindekassen gewinnbringend vermarkten: Wertvoller Baugrund mitten im Ort. Dass für viele Menschen die Kanäle mehr sind als dunkles Wasser vor der Haustür, Zeugnis ablegen von der harten Arbeit der Vorfahren, von den entbehrungsreichen Zeiten der ersten Siedler - geschenkt. Die letzten Zeugen einer ganzen Epoche könnten uns so verloren gehen, einer Epoche die die Landschaft geprägt hat. Und die Menschen. NEIN!

Was tun? Vor Ort regt sich Widerstand, man sammelt Unterschriften, nutzt das Internet, plant ein ganzes Protestwochenende. Könnte ich daran teilnehmen, mich einbringen, mich engagieren, vielleicht sogar mit Boot? 240 Kilometer wären es bis dahin, eine solche Fahrt ist nicht an ein paar Tagen zu bewerkstelligen. Kalender gecheckt, Familie befragt, Termine verlegt: Es geht! Warum also nicht. Unterschriften für den Erhalt des Kanals sammele ich schon bei meinen Vorträgen in Dortmund, die Presse berichtet darüber.

Kann ich noch mehr tun? Eine passende "Geschichte von Bord" fällt mir schnell ein, eine virtuelle Fahrt an den Fehnkanal, vorbei an alle jenen Stellen an denen man ähnliche Probleme gemeistert hat, an denen Geld investiert wurde gerade weil Sportboot-Tourismus attraktiv ist für die Städte und Gemeinden, für Gaststätten und Geschäfte. Und so passiert es dann, die Tremonia 2.0 ist dabei! Die Geschichte der Fahrt kannst Du auf den folgenden Seiten lesen.

Kurzer, eigentlich selbstverständlicher Hinweis:
Meine Reiseberichte erheben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Es sind meine völlig subjektiven Urlaubserinnerungen, die ich für mich aufschreibe und anderen zugänglich mache. Der Bericht ersetzt auf keinen Fall das genaue Studium des aktuellen Kartenmaterials, der Gezeitentabelle und der einschlägigen Veröffentlichungen!

Es besteht die Möglichkeit, dass das Lesen dieser Seiten zu erheblichen Nebenwirkungen oder gar Kurzschlussreaktionen führt wie etwa dem Kauf eines eigenen Bootes oder ersatzweise dem spontanen Chartern eines schwimmfähigen Untersatzes. Solche irrwitzigen Aktivitäten sind mit nicht zu unterschätzenden Risiken verbunden, für die der Autor keinerlei wie auch immer geartete Wiedergutmachung oder gar Restitution (Wiedereinsetzung in den bisherigen Stand) zu leisten bereit und in der Lage ist! Daher gehört es zur selbstverständlichen Sorgfaltspflicht des Einzelnen, vor dem Klick auf einen der folgenden Links unbedingt Rücksprache mit dem Lebenspartner oder der entsprechenden weiblichen Form oder einer anderen Person des unbedingten Vertrauens zu nehmen!

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Und nun viel Spaß,

Karl-Heinz Czierpka

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Die einzelnen Etappen:

Hinfahrt über Dortmund-Ems- und Küstenkanal
Elisabethfehnkanal - Fahrt durch denselben, Party und Protest.
Weiter nach Papenburg und Leer - Untere Ems
Die (vielleicht etwas) fußball-lastige Heimfahrt

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